Science Fiction in der DDR

Die frühen Jahre

Nach der Gründung der DDR im Jahr 1949 begann sich auch die Science-Fiction-Literatur zu entwickeln. Die ersten Werke dieser Zeit standen oft unter dem Einfluss sowjetischer Autoren wie Iwan Jefremow und Alexander Beljajew. Die DDR-Regierung förderte Science-Fiction als Mittel zur Popularisierung wissenschaftlicher und technologischer Fortschritte sowie zur Vermittlung sozialistischer Ideale..

Blütezeit der DDR-Science-Fiction

In den 1960er und 1970er Jahren erreichte die DDR-Science-Fiction ihre Blütezeit. Autoren wie Günther Krupkat, Angela und Karlheinz Steinmüller, Herbert Ziergiebel, Erik Simon, Lothar Weise, Johanna und Günter Braun, Eberhardt Del’Antonio, und Klaus Frühauf prägten diese Ära. Die Themen wurden vielfältiger und die Erzählungen komplexer.

Günther Krupkats „Als die Götter starben“ (1963) beispielsweise untersucht die Entwicklung einer außerirdischen Zivilisation und reflektiert dabei über menschliche Kultur und Gesellschaft. Diese Werke boten oft eine kritische Perspektive auf die gesellschaftlichen Zustände in der DDR, versteckt hinter einer futuristischen Fassade

Angela und Karlheinz Steinmüller, eines der bekanntesten Autorenpaare dieser Zeit, schufen Werke wie „Der Traummeister“ (1983), das sich mit den Möglichkeiten und Gefahren der Manipulation von Träumen und Gedanken auseinandersetzt. Diese Geschichten reflektierten oft die Spannungen und Widersprüche der sozialistischen Gesellschaft.

Günter Braun und Johanna Braun schrieben gemeinsam zahlreiche Werke, die für ihren subtilen Humor und ihre philosophischen Untertöne bekannt waren. Ein bemerkenswertes Beispiel ist „Unheimliche Erscheinungsformen auf Omega XI“ (1976), das sich mit den sozialen und politischen Strukturen einer fremden Welt auseinandersetzt und dabei die eigenen gesellschaftlichen Bedingungen reflektiert.

Erik Simon und Herbert Ziergiebel trugen ebenfalls bedeutend zur DDR-Science-Fiction bei. Simon, der auch als Herausgeber und Übersetzer tätig war, veröffentlichte zahlreiche Erzählungen, die oft philosophische und gesellschaftskritische Themen behandelten.

Wolf Weitbrecht mit seinem Werk „Das Orakel der Delphine“ (1972) schuf eine außergewöhnliche Zukunftsvision, in der Delphine mit Menschen kommunizieren und dabei prophetische Fähigkeiten offenbaren. Dieses Buch stellte auf subtile Weise die menschliche Hybris und die Herausforderungen des technologischen Fortschritts in Frage.

Späte Jahre

Ab Mitte der 1970er Jahre begann die DDR-Science-Fiction unter zunehmendem politischen Druck zu leiden. Die Zensur wurde strenger, und viele Autoren mussten ihre kritischen Botschaften noch subtiler verschlüsseln. Gleichzeitig begann die westliche Science-Fiction, einen stärkeren Einfluss auszuüben, was zu einer gewissen Stilvielfalt führte.

In den 1980er Jahren wurden die Werke pessimistischer und reflektierten die zunehmende Frustration und Resignation in der Gesellschaft. Ein Beispiel dafür ist der Roman „Andymon“ (1982) von Angela und Karlheinz Steinmüller, der eine düstere Zukunftsvision einer untergehenden Zivilisation auf einem fremden Planeten beschreibt.

Gert Prokop schuf mit „Wer stiehlt schon Unterschenkel?“ (1986) einen bemerkenswerten dystopischen Kriminalroman, der sich kritisch mit den sozialen und politischen Verhältnissen auseinandersetzte.

Eine besondere Rolle spielte auch der Einfluss des polnischen Autors Stanisław Lem, dessen Werke in der DDR sehr geschätzt wurden. Lem, bekannt für seine philosophischen und oft satirischen Science-Fiction-Romane wie „Solaris“ (1961) und „Der futurologische Kongress“ (1971), beeinflusste viele DDR-Autoren durch seine tiefgründige Auseinandersetzung mit technischen und ethischen Fragen der Zukunft.

SF Utopia -Verlag Das Neue Berlin

1 1980 Ekkehard Redlin (Hrsg.) Der Mann vom Anti Utopische Erzählungen 622 506 1
2 1981 Werner Steinberg Die Augen der Blinden Utopischer Roman 622 504 5
3 1981 Arkadi und Boris Strugazki Der ferne Regenbogen Utopische Erzählung 622 512 5
4 1981 Alexei Nikolajewitsch Tolstoi Aëlita Utopischer Roman 622 555 5
5 1981 Herbert Ziergiebel Zeit der Sternschnuppen Phantastischer Roman 622 501 0
6 1982 Gerhard Branstner Vom Himmel hoch Utopische Lügengeschichten 622 548 3
7 1982 Günther Krupkat Nabou Utopischer Roman 622 549 1
8 1982 Kurd Laßwitz Traumkristalle Utopische Erzählungen, Märchen, Bekenntnisse 622 503 7
9 1982 Ilja Warschawski Der Traumladen wissenschaftlich-phantastische Erzählungen 622 550 4
10 1983 Richard Funk Gerichtstag auf Epsi Utopischer Roman 622 593 4
11 1983 Hubert Horstmann ⁸ Die Rätsel des Silbermondes Utopischer Roman 622 592 6
12 1983 Günther Krupkat Als die Götter starben Utopischer Roman 622 594 2
13 1983 Arkadi und Boris Strugazki Picknick am Wegesrand Utopische Erzählung 622 502 9
14 1984 Johanna & Günter Braun Unheimliche
Erscheinungsformen auf Omega XI Utopischer Roman 622 636 3
15 1984 Rainer Fuhrmann Planet der Sirenen Utopischer Roman 622 637 1
16 1984 Heiner Rank Die Ohnmacht der Allmächtigen Utopischer Roman 622 635 5
17 1984 Erik Simon (Hrsg.) Kontaktversuche Eine Anthologie bulgarischer phantastischer Erzählungen 622 639 8
18 1985 Eberhardt del’Antonio Titanus Utopischer Roman 622 682 2
19 1985 Rainer Fuhrmann Medusa Roman 622 681 4
20 1985 Viktor Kolupajew Die Schaukel des Eremiten Phantastische Erzählungen 622 690 2
21 1985 Oswald Levett Verirrt in den Zeiten Roman 622 688 1
22 1986 (ohne Hrsg.) Lichtspruch nach Tau Erzählungen aus Lichtjahr 622 721 9
23 1986 Thomas K. Reich Sinobara Utopische Erzählung 622 735 8
24 1986 Carlos Rasch Der blaue Planet Phantastischer Roman 622 722 7
25 1986 Wolfram Kober Exoschiff Utopische Erzählungen 622 733 1
26 1987 Mary Wollstonecraft Shelley Frankenstein Roman 622 797 2
27 1987 Ekkehard Redlin (Hrsg.) Wege zur Unmöglichkeit Utopische Kurzgeschichten 622 794 8
28 1987 Horst Ansorge Raumkundschafter Katman Utopischer Roman 622 779 6
29 1987 Bernd Ulbrich Der unsichtbare Kreis Utopische Erzählungen 622 780 9
30 1987 Ekkehard Redlin (Hrsg.) Das Molekular-Café Geschichten von Robotern und Biomaten 622 781 7
31 1987 Eberhardt del’Antonio Heimkehr der Vorfahren Utopischer Roman 622 789 2
32 1988 Rainer Fuhrmann Die Untersuchung Utopischer Roman 622 841 4
33 1988 Wolfram Kober Nova Utopische Erzählungen 622 845 7
34 1988 (o. Hrsg.) Das elektronische Glück Phantastische Erzählungen aus der Sowjetunion 622 842 2
35 1988 Janusz A. Zajdel In Sonnenähe Phantastische Erzählungen 622 683 0
36 1988 Jerzy Żuławski Auf dem silbernen Globus „Eine Handschrift vom Mond“ 622 843 0
37 1988 Erik Simon (Hrsg.) Die Rekonstruktion des Menschen Phantastische Geschichten 622 846 5
38 1989 Klaus Möckel Die gläserne Stadt Phantastische Geschichten 622 891 6
39 1989 Hubert Horstmann Die Stimme der Unendlichkeit Zukunftsroman 622 892 4
40 1989 Frigyes Karinthy Die neuen Reisen des Lemuel Gulliver Zwei phantastische Kurzromane 622 893 2
41 1990 Bernd Ulbrich Störgröße M Utopische Erzählungen 622 943 3
42 1990 Rolf Krohn Begegnung im Nebel Phantastische Erzählungen 622 944 1
43 1990 Josef Nesvadba Wie Kapitän Nemo starb Phantastische Erzählungen 622 946 8
44 1990 Karel Čapek Das Absolutum oder Die Gottesfabrik Utopischer Roman 622 947 6

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